Ratgeber · 5 Min. Lesezeit

Einen guten Webdesigner erkennen: Prüfungen und Fragen

Jeder Anbieter lobt sich selbst. Diese Prüfungen machen Sie in einer Viertelstunde ohne Fachwissen, dazu die Warnsignale, bei denen Sie aufhören sollten, und zehn Fragen für das erste Gespräch.

Von TalvesaVeröffentlicht am

Kurz gesagt

  • Öffnen Sie zwei oder drei Referenzen selbst auf dem Handy, statt sich Bildschirmfotos zeigen zu lassen.
  • Lesen Sie die Website des Anbieters als Arbeitsprobe: Impressum, Datenschutzerklärung und was sie von fremden Servern lädt.
  • Klären Sie vor der Unterschrift, auf wessen Namen die Domain registriert wird. Richtig ist: auf Ihren.
  • Wer Ihnen Platz 1 bei Google garantiert, scheidet aus. Das kann niemand zusagen.

Referenzen selbst prüfen

Fast jeder Anbieter zeigt Referenzen, meist als große Bildschirmfotos. Die sagen wenig, weil sie das Beste aus der Website zeigen, auf einem großen Bildschirm und ohne Ladezeit. Nehmen Sie sich stattdessen zwei oder drei Referenzen vor und öffnen Sie sie auf Ihrem eigenen Handy, am besten unterwegs im Mobilfunknetz.

  • Lädt die Seite zügig? Wenn Sie länger als ein paar Sekunden auf eine leere Fläche schauen, geht es Ihrer Kundschaft genauso. Einen Messwert liefert das kostenlose Werkzeug PageSpeed Insights von Google; wie man es liest, steht im Artikel PageSpeed Insights verstehen.
  • Lässt sie sich bedienen? Text ohne Heranzoomen lesbar, Telefonnummer antippbar, Menü mit dem Daumen erreichbar.
  • Ist sie noch online und gepflegt? Eine Referenz, die nicht mehr erreichbar ist oder seit Jahren dieselben Termine zeigt, ist auch eine Auskunft über die Betreuung.
  • Passt sie zum Kunden? Sehen alle Referenzen gleich aus, mit anderem Logo und anderer Farbe, bekommen Sie wahrscheinlich dieselbe Vorlage.

Fragen Sie außerdem, was genau der Anbieter an der Referenz gemacht hat, und ob Sie mit einem Kunden kurz sprechen dürfen. Eine gute Referenz erzählt, welche Aufgabe es gab und wie sie gelöst wurde. Bei uns steht deshalb zu jeder Referenz eine Fallstudie, zum Beispiel die Website für einen Filmemacher; alle stehen unter Referenzen.

Die Website des Anbieters als Arbeitsprobe

Die eigene Website ist die eine Arbeit, bei der ein Webdesigner niemanden fragen musste. Was dort fehlt, fehlt später vermutlich auch bei Ihnen.

  • Impressum. Wer geschäftsmäßig eine Website betreibt, muss nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz unter anderem Namen, Anschrift und eine E-Mail-Adresse angeben, bei eingetragenen Unternehmen auch Register und Registernummer. Ein Impressum mit Postfach oder ohne Namen ist ein schlechtes Zeichen.
  • Datenschutzerklärung. Sie sollte zur Technik der Seite passen. Nennt sie Dienste, die gar nicht eingebunden sind, oder fehlt einer, den Sie sehen, etwa eine eingebettete Karte, wurde sie vermutlich kopiert.
  • Fremde Server. Viele Seiten laden Schriften, Skripte oder Karten von Servern anderer Unternehmen, oft beim ersten Aufruf und ohne Einwilligung. Das Landgericht München I hat 2022 einem Besucher Schadensersatz zugesprochen, weil eine Website Google Fonts ohne seine Einwilligung von den Servern von Google lud. Prüfen können Sie das selbst: In Chrome oder Firefox öffnet die Taste F12 die Entwicklerwerkzeuge, im Reiter „Netzwerk“ sehen Sie nach dem Neuladen, von welchen Adressen die Seite Dateien holt. Mehr dazu im Artikel DSGVO-Checkliste für Ihre Website.

Auf unserer Startseite messen wir das für Sie mit: Das Band „Gemessen“ zeigt Ladezeit, Seitengewicht und die Zahl der Anfragen an Dritte, ermittelt in Ihrem Browser.

Wie gearbeitet wird

Eine Website entsteht im Gespräch. Wie dieses Gespräch läuft, erfahren Sie am besten vor dem Auftrag.

  • Ablauf. Ein guter Anbieter fragt zuerst nach Ihrem Angebot, Ihrer Kundschaft und dem, was die Website erreichen soll, und nennt danach einen Umfang und einen Preis. Wer sofort einen Entwurf schickt, ohne gefragt zu haben, hat eine Vorlage gefüllt.
  • Feste Ansprechperson. Fragen Sie, mit wem Sie sprechen werden, wenn etwas geändert werden soll: mit der Person, die die Website baut, oder mit einem Vertrieb, einem Ticketsystem oder einem Chatbot. Bei uns sprechen Sie direkt mit der Person, die Ihre Website baut und betreut, per E-Mail, Telefon oder Videocall, in Freiburg und Umgebung auf Wunsch auch bei Ihnen vor Ort.
  • Server und Daten. Wo die Website gehostet wird und ob der Anbieter einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO anbietet, sollte er ohne Zögern beantworten können.
  • Die Zeit nach dem Start. Wer spielt Updates ein, wer hilft bei einer Störung, was kostet eine Änderung, wie schnell wird sie umgesetzt? Diese Fragen entscheiden über die nächsten Jahre, der Start über die ersten Wochen.

Warnsignale

  • Eine Garantie auf Platz 1 bei Google. Google schreibt in seiner Dokumentation für Website-Betreiber ausdrücklich, dass niemand ein Ranking auf Platz 1 garantieren kann. Dieselbe Seite warnt vor Anbietern, die eine besondere Beziehung zu Google behaupten.
  • Unaufgeforderte Angebote mit „kostenloser Website“. Google rät, bei Anbietern vorsichtig zu sein, die sich unaufgefordert per E-Mail melden, und für einen Anruf aus heiterem Himmel gilt dasselbe. Oft ist die Website nur scheinbar kostenlos und hängt an einem Vertrag mit langer Laufzeit. Als Unternehmen haben Sie dabei kein Widerrufsrecht; das steht nach § 312g BGB nur Verbrauchern zu. Was im Vertrag stehen sollte, beschreibt der Artikel Website-Vertrag.
  • Die Domain auf den Anbieter. Bei einer .de-Domain ist der bei der DENIC eingetragene Domaininhaber der Berechtigte. Steht dort der Anbieter, hängt Ihre Adresse an ihm, auch wenn Sie wechseln wollen. Bei uns läuft die Domain in jedem Paket auf Ihren Namen.
  • Kein fester Preis. „Nach Aufwand“ ohne Obergrenze oder ein Angebot ohne klaren Umfang macht die Rechnung unberechenbar. Worauf Sie beim Preis achten, steht unter Was kostet eine Website? Posten, Modelle und Preise

Zehn Fragen für das erste Gespräch

Am meisten bringt das Gespräch, wenn der Anbieter vorher weiß, was Sie brauchen. Wie Sie das auf einer Seite aufschreiben, zeigt die Anleitung Website-Briefing schreiben.

  1. Welche zwei Referenzen passen am besten zu meinem Betrieb, und was haben Sie daran gemacht?
  2. Wer ist meine Ansprechperson, und baut diese Person die Website selbst?
  3. Wie läuft das Projekt ab, und was brauchen Sie wann von mir?
  4. Auf wessen Namen wird die Domain registriert?
  5. Wo stehen die Server, und bekomme ich einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung?
  6. Lädt die Website Schriften, Skripte oder Karten von fremden Servern?
  7. Was kostet die Website insgesamt, einmalig und laufend?
  8. Wie lang ist die Laufzeit, und wie kündige ich?
  9. Was ist nach dem Start enthalten: Updates, Änderungen, Hilfe bei Störungen?
  10. Was bekomme ich mit, wenn ich wechsle: Domain, Texte, Bilder, Dateien?

Ein seriöser Anbieter beantwortet alle zehn kurz und auf Wunsch schriftlich. Wer bei Domain, Laufzeit oder Preis ausweicht, macht Ihnen einen späteren Wechsel schwer. Wie ein Wechsel geht, steht im Artikel Webdesigner wechseln.

Dieser Artikel gibt einen Überblick und ist keine Rechtsberatung.

Quellen

Ratgeber

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